“Hallo Herr Finanzkrisenminister…”
November 4th, 2008Sie hat uns alle getroffen, mit geballter Kraft donnerte uns die Finanzkrise eins in die Fresse, dass sie die Nominierung zum Unwort des Jahres verdient hätte. In Banken sieht man Szenen verängstigter Banker die ihren Kunden erklären müssen das ihr Geld nach Nirgendwo ausgewandert ist und die Antwort auf die Frage
“Wer hat denn Schuld daran?” kann man sich wohl am besten mit einer Totalaufnahme des verschwitzten Banker-Gesichts vorstellen, wie er mit aufgerissenen Augen flüstert “Die, deren Name nicht gesagt werden darf…” - aber es ist ja bekanntlich nur eine banale Ausrede. Das Lehmann Brothers oder andere Banken und Konzerne Pleite gehen, mag vielleicht an der Finanzkrise liegen, aber das so viele Leute ihr Geld verloren haben weil sie kurz vor dem Crash noch in ein solches Unternehmen investierten kann doch nur an einem liegen. An ihrem Berater. Und der? Sieht und stellt sich selbst als Opfer dar, durch hohe Vorgaben oder Anweisungen der Chefs getrieben nur Provisionsreiche Produkte zu verkaufen. Ein durch und durch ehrlicher Berater hätte wahrscheinlich so geworben:
“Darf ich Ihnen dieses tolle Anlageprodukt vorstellen?” - “Was ist denn so toll daran?”
“Sehen sie hier:” eine Broschüre mit Abbildungen von Fenstern und Kaminen oder Öfen.
“Wir nehmen Ihr Geld, kassieren nur 25% Provision und [zeigt auf ein Fenster] schmeißen es dann zum Beispiel zum Fenster raus, oder [zeigt auf einen Kamin] verbrennen es.” - “Und wie vermehrt sich dann bitteschön das Geld!?”
“Das ist doch ganz einfach. Da wo Ihr Geld hingeht, geht auch von tausend und abertausenden anderen das Geld hin, und somit ist doch dort dann ganz viel Geld, oder nicht?” - “Ähhh…jaaa…Tschüss!”
Aber so hat wahrscheinlich, wenn überhaupt, nur ein kleiner Teil von Beratern, so im Promillebereich, argumentiert, und deshalb ging das Geld so vieler Menschen locker flockig über den Jordan.
Und nun kommen wir auf des Pudels Kern, oder auf die Antwort der Frage “Warum schreibe ich meine Meinung oder einen Artikel über ein Thema was ich wahrscheinlich eh nicht 100%ig durchschaue?”
Eines Tages las ich rein zufällig diese äußerst populäre Tageszeitung (die, die immer zuerst mit dem Toten sprach) mit dem Leitartikel “Der erste Banker packt aus…” oder so ähnlich. Viele Millionen werden es auch gelesen haben, schließlich erscheint sie Bundesweit und International. Als eine Art mitgeschleiften Artikel mit der Überschrift “Finanzkrise wird Wirtschaftskrise” … oder so ähnlich wurden Unternehmen oder Konzerne genannt, die es jetzt durch die Finanzkrise treffen würde. Ganz am Anfang wird Karstadt mit der Streichung von ca. 400 Stellen genannt. Leider ist die Streichung der Stellen in der Hauptverwaltung in Essen nicht falsch, aber Karstadt ging es vor der Finanz-/Wirtschaftskrise schon schlecht und das Vorhaben der Streichung von 400 Stellen war meines erachtens einfach nicht auf der Finanz-/Wirtschaftskrise begründet.
Ach, by the way, zu der Sache mit den armen Opfern…äh Beratern in den Banken. Ihr solltet in Zukunft durchlesen was die euch zum Unterschreiben vorlegen, sonst habt ihr vielleicht ne Rentenversicherung am Hacken anstatt nur ein Sparbuch oder anderes eingerichtet zu haben. Geschehen ist dies bei einer 91. Jährigen die eine nicht allzu große Summe Geld aus einer vorherigen Anlage in mehrere neue Anlagen aufteilen wollte. Sie sieht nicht mehr besonders gut und unterschrieb vertrauensvoll alles was der Berater ihr vorlegte und dachte sie würde nur für die Eröffnung der neuen Anlagen unterschreiben. Tatsächlich jubelte er ihr aber auch die Papiere für eine Rentenversicherung unter. Start der Rentenzahlung sollte mit ihrem 160. Lebensjahr erfolgen. Das sie eine Rentenversicherung abgeschlossen hatte, hat sie erst Monate später gemerkt, als sie die Beitragsabbuchungen auf ihrem Konto bemerkte. Daraufhin ging sie zu ihrer Bank und der Berater räumte ein, dass es sich um eine Privatrente handle, worauf sie zu einem Anwalt ging und eine Kündigung schrieb. Die Versicherungsgesellschaft aber sagte nur das die gesetzliche Widerufsfrist schon abgelaufen sei. Daraufhin schrieb ihr Anwalt ein weiteres Kündigungsschreiben und meldete den Fall der Aufsichtsbehörde für Finanzgeschäfte in Deutschland. Das war vielleicht ein ausschlag gebender Punkt, weshalb die Versicherungsgesellschaft den Vetrag plötzlich annulierte und der Rentnerin als Grund angab, als Begünstigte Person sei ein Kind eingetragen, geboren am 01.Januar 2007 und das bei sowas immer die Eltern des Kindes mit unterschreiben müssten. Der Witz an der Sache ist, die Rentnerin hat gar keine Nachkommen, auch ihre Nichten und Neffen nicht und ausserdem war beim Kindsnamen der Name der Rentnerin eingetragen.